Glossar

In dieses Stichwortverzeichnis sollen nach und nach religiöse und chorische Begriffe aufgenommen werden, die mit unserem musikalischen Tun zusammenhängen. Diese Sammlung kann natürlich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben.

Sollte mal ein Begriff gesucht werden, dann schickt mir doch eine E-Mail. Ich werde versuchen, eine lexikalische Antwort zu finden. Für weitere Vorschläge bin ich ebenso dankbar.

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A

Ave Maria

[lat. »Gegrüßet seist du, Maria«]  kath. Kirche: ein Gebet zur Verehrung Marias, bestehend aus dem Gruß des Engels, daher auch Englischer Gruß (Lk 1, 28), den Worten Elisabeths (Lk 1, 42) und einem kurzen Bittgebet; es bildet einen Hauptbestandteil des Rosenkranzes. Das Ave-Maria ist seit dem 6. / 7. Jh. nachgewiesen und wurde seit dem 11. Jh. Volksgebet.   
(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2002

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B

Brevier
1.
[zu lat. brevis »kurz«] das, -s/-e, Breviarium, kath. Kirche: urspr. ein kurzes Verzeichnis aller Teile des kirchl. Stundengebets (Offizium), in das später auch die entsprechenden Gesänge, Psalmen und Gebete selbst nach der Ordnung des Kirchenjahres aufgenommen wurden. Zuvor waren diese im Psalmenbuch, in Lektionarien der Bibel, der Kirchenväter und Heiligenleben, in Hymnaren, Antiphonarien und Sakramentaren enthalten. Seit dem Zweiten Vatikan. Konzil ist das allgemeine, für die ganze Kirche geltende lat. »Breviarium Romanum« auch in landessprachl. Ausgaben zugelassen. Die autorisierte Ausgabe für das dt. Sprachgebiet erschien 1978ÿf. Neben dem allgemeinen Brevier gibt es Eigenbreviere einiger Orden, z.B. der Benediktiner und Franziskaner.  
(c)
Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2002

2. (lat. Breviarium, Breviarium Romanum), das für den täglichen Gebrauch der röm.-kath. Geistlichkeit bestimmte lateinische Gebetbuch (kurze Abschnitte aus der Bibel und den Kirchenvätern, Heiligengeschichten, Gebete und Hymnen), unter Gregor VII. zusammengestellt, 1568 durch Pius V. verbessert, zuletzt unter Leo XIII. revidiert.
Brockhaus von 1906

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C

Chor
Das Wort Chor beinhaltet drei verschiedene Bedeutungen. In der griechischen Kultur wurde ursprünglich ein Tanzplatz damit umschrieben. Später der Gemeinschaftstanz mit Gesang. Der Chor wurde Bestandteil von kultischen Handlungen, diente aber auch dem Vergnügen und dem Sport. In der kirchlichen Baukunst wurde das Wort Chor für den Ort verwendet, der für die Sänger vorbehalten war. Zunächst war das der Platz vor dem Hochaltar, dann der für den Mönchsklerus oder das Domkapitel abgesonderte Raum. Die dritte Bedeutung dieses Wortes ist der eigentliche Gegenstand dieser Internetseite.

Der Chor umschreibt eine Gruppe von Singenden, die die Stimmen eines Musikstückes in mehrfacher Besetzung ausführen. Dies geschieht entweder a-capella oder mit Instrumentalbegleitung. Möglichkeiten der Besetzung sind: Kinder-, Knaben-, Jugend-, Männer-, Frauen- und gemischter Chor. Die Stimmenzahl kann von einstimmig bis mehr als achtstimmig reichen.

Durch das Hinzutreten von Schauspielern entstanden im 6. Jahrhundert v. Chr. die dramatischen Gattungen Tragödie, Komödie und Satyrspiel. Die Form des Chores änderte sich mit der Zeit und den Gegebenheiten. Vorrangig mit dem Bereich der Kirchenmusik vollzog sich eine Wandlung.

Eine wesentliche Rolle spielte der Chor auch in den Gattungen Oper, Oratorium und Passion seit der Barockzeit und zwar in unterschiedlicher Funktion: Die Chöre können Stimme des Volkes sein (z.B. Turbachöre in Oratorien und Passionen Händels und Bachs) oder betrachtende bzw. meditative Gedanken zum Inhalt haben. Mit Beginn der Romantik erkannte man, dass der Chorgesang das Wesen und den Willen eines Volkes bzw. einer Volksgruppe vortrefflich wiedergeben kann. Es entstanden die großen Singbewegungen, die bis heute Bestand haben: die der Gesangsvereine, die der großen Chorvereine und - von England ausgehend - die der Oratorienvereine. Die Entstehung von Oratorienvereinen ist verbunden mit dem Aufkommen des Historismus und mit der Wiederentdeckung und Aufführung der Passionen und Oratorien von Händel und Bach.

Neben den schon genannten Formen von Chören gibt es nun in der Gegenwart auch noch Berufschöre (z.B. Opernchor) und Rundfunkchöre. Auch in der neuesten Musik hat sich für die Chormusik ein weites Spektrum ergeben. Die Funktion des Chores erschöpft sich nun nicht mehr im Vortrag eines Textes. Vielmehr werden die Stimmen eher instrumental behandelt, wobei höchst unterschiedliche Klangschattierungen erreicht werden können.

Die Stimmlagen von Frauen- bzw. Männerchören
Allgemein gesehen, teilen sich die Frauenstimmen in Sopran und Alt. Der Sopran reicht vom c' bis zum a''. Der Koloratursopran langt bis zum f''' oder sogar noch höher. Die Stimmen des Mezzosoprans singen vom a bis zum g''. Die tiefe Frauenstimme, der Alt, umschließt die Töne von f bis zum f''.

Die höchste Männerstimme ist der Tenor, der den Bereich vom c bis zum a' beinhaltet. Die tiefen Stimmen sind Bariton, vom G bis zum e', und Bass, vom E bis zum eingestrichenen d'.

Die Notation von Chorsätzen in a-capella
Die Notation von Chorsätzen als Partitur richtet sich nach der Anzahl und der Höhe der beteiligten Stimmen. Die höchste Stimme bekommt dabei prinzipiell den höchsten Platz zugeordnet. Sind einzelne Stimmen nochmals geteilt, so können Differenzierungen vorgenommen werden. Je nach Übersichtlichkeit der Stimme wird die geteilte Stimme in einem oder in zwei Systemen notiert. Erfolgt die Notation in einem System, so sind die Notenhälse der oberen Stimme immer nach oben, die der unteren Stimme immer nach unten notiert.

In übersichtlichen Chorsätzen ist es üblich, die Partitur in zwei Systemen anzulegen. Der Tenor kann im Violinschlüssel und im Bassschlüssel notiert sein. Im Violinschlüssel klingt es dementsprechend tiefer als notiert.

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Christmette
Der Gottesdienst in der Christnacht, eigtl. die Matutin (dt. Mette) des kath. Stundengebets zu Weihnachten. Die ev. Kirchen haben in neuester Zeit die Christmette neu belebt und zu einem musikalisch reichen Gottesdienst ausgestaltet.

Im 6./7. Jh. entstand im Westen die seither in der kath. Kirche bewahrte Tradition, Weihnachten mit drei Messen zu feiern: in der Nacht vor dem Weihnachtstag mit der Christmette (»Missa in nocte«), am Morgen des Weihnachtstages mit der »Hirtenmesse« (»Missa in aurora«) und am Weihnachtstag selbst mit der eigentlichen Festmesse (»Missa in die«). Im Brauchtum verlagerte sich die Weihnachtsfeier zunehmend auf die Weihnachtsvigil, den Abend des 24.12. (Christnacht, Hl. Abend, Hl. Nacht).

 

Kulturgeschichte und Brauchtum
Der Besuch der mitternächtliche Christmette, der Gang durch die Dunkelheit zu der vom Licht der Weihnachtskerzen erfüllten Kirche, ist alte Tradition. Sie wurde auch im ev. Bereich beibehalten oder wieder aufgenommen. In ländlichen Gebieten pflegte früher jede Hausgemeinschaft die Christnacht in der großen Stube zu verbringen. Man hatte einen Weihnachts- oder Christblock eingeholt, der auf der offenen Herdstelle abbrannte. Vielerorts war der Boden mit Weihnachtsstroh (zum Gedenken an das Strohlager im Stall zu Bethlehem) belegt, auf dem alle nach der Christmette bis zum ersten Feiertagsamt (»Hirtenamt«) schliefen (z.B. im Salzburger Land und im Burgenland). Zum kirchlichen und häuslichen Brauchtum gehört bis heute das Aufstellen einer Weihnachtskrippe.
(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2002

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F

Liturgische Farben

 Farbe  Deutung  Bedeutung im
 Alltag
 Verwendung in der Liturgie
 weiß
 Licht
 Friede
 Freude
 Fest
 Reinheit
 Vollkommenheit
 Unschuld
 Glanz
 Hochfeste: Osterzeit / Weihnachtszeit
 alle Christus- (Herren-) feste wie: 
 - Dreifaltigkeit,
 - Fronleichnam,
 - Christkönig
 - Marien- und Heiligenfeste

 Sakrament 
 - der Taufe; 
 - Trauung;
 - der Eucharistie;
 - der  Weihe
 Taufkleid,  Albe,  Ordenskleid

 rot  Leben
 Lieben
 Freude
 Blut
 Feuer
 Gefahr / Warnung
 Aggressivität
 Wärme
 Palmsonntag
 Karfreitag
 Pfingsten – Farbe des heiligen Geistes

 Apostelfeste
 Martyrerfeste
 Sakrament der Firmung
 Kardinäle (Kleidung der...)
 Ministranten-Talare

 violett  Buße
 Umkehr
 Besinnung
 Emanzipation  Adventzeit
 Fastenzeit

 Bußgottesdienste
 Sakrament der Buße/Beichte (Stola)
 Beerdigung (Gewand/Stola)

 grün  Hoffnung
 Leben
 Natur
 Schöpfung
 Beruhigung
 Frische
 Kirchenjahr
 2. - 32. Sonntag im Jahreskreis

 (Das alltägliche Leben der Christen soll von der Hoffnung getragen werden.)

 rosa  Vorfreude  Farbe von 
 Babykleidung bei
 Mädchen
 3. Adventsonntag (Gaudete)
 4. Fastensonntag (Laetare)

 (Die lateinischen Bezeichnungen bedeuten: 
 „Freuet Euch/Freue Dich!".)

 blau  Treue
 Himmel
 Farbe von 
 Babykleidung
 bei Jungen „Zustand"
 Farbe für die Gottesmutter
 Mariengewänder

 

Festtage
Festtage
sind Tage, die Personen oder Ereignissen zu Ehren festlich begangen werden; in ihren äußeren Formen in der Regel durch Tradition und Brauch bestimmt. Festtage gliedern den Jahres- und Lebenslauf; sie markieren Höhepunkte im Leben des einzelnen Menschen, aber auch menschliche Gemeinschaften (Familien, Gemeinden, Religionsgruppen). Staaten gedenken an Nationalfeiertagen herausragender Ereignisse ihrer Geschichte (Unabhängigkeit, nationale Einigung, Geburts- oder Krönungstag einzelner Staatsoberhäupter, Tag der Verfassungsgebung, Beginn einer neuen Staatsform nach einer Revolution u.a.).

Alle Religionen kennen regelmäßig wiederkehrende Festtage, um sich der religiösen Wahrheiten des Glaubens oder wichtiger Ereignisse der jeweiligen religiösen Geschichte zu vergewissern.

Religiöse Festtage werden nach einem vorgeschriebenen Rhythmus begangen, der selbst heilig ist und daher nicht willkürlich geändert werden kann. Anlass zu diesen Festen können bestimmte Naturvorgänge (Jahreszeitenwechsel, Saat und Ernte), historische Ereignisse oder überhaupt die Erinnerung und Begehung des Heilsgeschehens sein. Oft wurden ursprünglich Naturfesttage in historische Festtage umgedeutet, wie etwa im A.T. das ursprüngliche Hirtenfest des Passah später mit dem Auszug aus Ägypten in Verbindung gebracht wurde.

Jüdische Festtage
sind mit Ausnahme von Chanukka und Purimfest nicht auf historische Daten bezogen. Sie alle folgen dem Vorbild des Sabbat, der als Festtag der Schöpfung gefeiert wird. Neujahr und Versöhnungstag, die beiden wichtigsten, und die drei Wallfahrtsfeste: Passah, Schawnaoth und Laubhüttenfest, umspannen das jüdische Jahr.

Katholische Kirche:
Für den Gottesdienst der kath. Kirche ist das Paschamysterium das bestimmende Ereignis jeglicher Festfeier. Der regelmäßig wiederkehrende Sonntag ist darum deren »Urfest« und die Keimzelle der Feste des Herrn im liturgischen Jahr. In diesem treten zu den Festtagen des Herrn (seit dem 2. Jh. Ostern, seit dem 4. Jh. Epiphanie bzw. Weihnachtsfest) Feste Mariens und der Heiligen, v.a. der Märtyrer (seit dem 5. Jh.). Sie werden entweder gemeinkirchlich oder ortskirchlich begangen. Die Kirche erfüllt in der Festfeier ihre Aufgabe, das Heilswerk Christi als Ursprung der Erlösung.

Die evangelischen Kirchen haben nur die auf die Heilsgeschichte bezogenen kirchlischen Festtage übernommen und später das Reformationsfest, das Erntedankfest, den Buß- und Bettag sowie den Volkstrauertag und den Ewigkeitssonntag hinzugefügt.

In den Ostkirchen bildet Ostern als »Fest der Feste« den Höhepunkt des Kirchenjahres und prägt entscheidend die orth. Frömmigkeit.

Der Islam kennt zwei wichtige Hauptfeste: das »Große« und das »Kleine Fest«. Das »Kleine Fest« wird zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan (als Fastenbrechen) gefeiert. Kinder bekommen Geschenke; Süßigkeiten spielen eine große Rolle, weshalb das Fest von den Türken auch »Zuckerbairam« genannt wird. Beim »Großen Fest«, dem »Opferbairam«, werden zum Abschluss der Feiern und Rituale anlässlich der Pilgerfahrt nach Mekka von den Pilgern, aber auch gleichzeitig von allen Muslimen nach altem Ritus Tiere, v.a. Hammel, geopfert. Neben diesen beiden Hauptfesten kennt der Islam zahlr. kleinere Feste, je unterschiedlich bei den Sunniten und Schiiten, denen auch in den einzelnen islamischen Ländern unterschiedliche Bedeutung und Stellenwert zukommen. Da sich der Festkalender der Muslime nach dem Mondrhythmus und nicht nach dem Sonnenjahr richtet, verschieben sich die religiösen Feste des Islams jährlich um elf Tage.

Eines der am meisten verbreiteten Feste des Hinduismus ist das Fest der Lichter (Divali). Wichtige Feste des Buddhismus, die ebenfalls nach dem Mondkalender gefeiert werden, sind das Neujahrsfest und die Feste zu Ehren der Geburt und der Erleuchtung Buddhas.
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H

Horen
1.
[lat. »Zeiten«, »Stunden«], Singular: Hora, Hore die, -, die Gebetszeiten (»Stunden«) des christlichen Stundengebets. (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2002

2. (lat. horae canonicae oder regulares), die 7 oder 8 für die kath. Kloster- und Weltgeistlichkeit vorgeschriebenen Gebetsstunden

Mette [12 Uhr nachts]

Matutine [3 Uhr früh]

Prime [6 Uhr früh]

Terz [9 Uhr früh]

Sexte [12 Uhr mittags]

None [3 Uhr nachmittags]

Vesper [6 Uhr abends, Abendlob]

Komplet(orium) [9 Uhr abends, Nachtgebet]

in denen bestimmte, im Brevier  zusammengestellte Gebete verrichtet werden müssen. Brockhaus von 1906

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I

Inkulturation
In der christlichen Mission Bezeichnung für die Berücksichtigung der jeweiligen Eigenart der Kultur, in die das Christentum vermittelt wird. Begriff und Bewusstsein von der Notwendigkeit der Inkulturation haben erst in neuerer Zeit allgemein Eingang in die Theologie gefunden. Ausschlaggebend waren dabei die Kritik an der traditionell eurozentrisch ausgerichteten christlichen Missionspraxis, die zunehmende Emanzipation der jungen Kirchen in der Dritten Welt sowie die Erkenntnis der Kulturbedingtheit religiöser Vorstellungen und Ausdrucksformen. Inkulturation impliziert von daher zunächst, sich der Kulturbedingtheit des Christentums in seiner abendländischen Gestalt bewusst zu werden, und dann das zentral Christliche - die Heilsbedeutung Jesu Christi - so in die fremde Kultur zu vermitteln, dass deren religiöse Fragen aufgegriffen und beantwortet werden.
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O

 

Offizium

[lat. »Amt«, »Pflicht«], Officium,

1) kath. Kirchenrecht: Heiliges Offizium, urspr. Congregatio Romanae et universalis inquisitionis [»Kongregation für röm. und weltweite Inquisition«], später (Sacra) Congregatio Sancti Offici|i, die 1542 für die Inquisition errichtete höchste Kurialbehörde. Ihr oblagen v.a. der Schutz der Glaubens- und Sittenlehre, die Verurteilung von Verfehlungen gegen den Glauben sowie die Erstellung des Index librorum prohibitorum. 1965 wurde das Offizium in die »Kongregation für die Glaubenslehre« umgewandelt.

2) lateinische Liturgie: früher allgemein üblicher Name für die den Klerikern vorbehaltenen liturgische Handlungen und die ihnen vorgeschriebenen liturgischen Verpflichtungen; besonders für das Stundengebet.

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S

Stundengebet
Tagzeitengebet, lat. Liturgia Horarum [»Liturgie der Tageszeiten«], in den christlichen. Kirchen der regelmäßige, nichteucharistischer Gottesdienst zu bestimmten Tageszeiten. Das Stundengebet setzt sich zusammen aus den (meist nach den Tagesstunden benannten) Horen: Matutin (»Mette«, Gebet um Mitternacht), Laudes (Lobgebet), Prim (Gebet zur 1. Stunde), Terz (zur 3. Stunde), Sext (zur 6. Stunde), Non (zur 9. Stunde), Vesper (Abendgebet zum Abschluss des Tages), Komplet (»Vollendung«, das eigentliche Nachtgebet). Inhaltlich umfasst es Psalmen, Schriftlesung, Gesänge (z.B. Hymnen) und bestimmte Gebete (z.B. Angelus Domini). Aus der jüdischen Frömmigkeit übernahm das frühe Christentum bereits in neutestamentlicher Zeit das Gebet zu bestimmten Stunden, und zwar zunächst eine morgendliche (Matutin) und eine abendliche (das »Lucernarium«, die spätere Vesper) Gebetszeit. Das Mönchtum, das die weitere Entwicklung trug, fügte die anderen Horen hinzu. Mit der Benediktregel (6.Jh.) war die Entwicklung abgeschlossen. Da Mönche vielfach auch an Stadtkirchen angesiedelt waren, wurde ihre Form des Stundengebets zur allgemeinen kirchlichen Form und zur Verpflichtung für alle Kleriker. Mönchs- und Klostergemeinschaften blieben bei der Art des gemeinsam verrichteten Stundengebets (Chordienst, Offizium), allein lebenden Priestern wurde die private Verpflichtung, das Brevier zu beten, auferlegt. Im Rahmen der einheitlichen Struktur blieb die Gestaltung unterschieden nach Ordensgemeinschaften und einzelnen Diözesen. Dem Stundengebet der Laien dienten im MA. die kunstvoll gestalteten Stundenbücher.

Martin Luther hatte das ihm als Mönch vertraute Stundengebet übernommen, wollte es auch für Laien zugänglich machen und forderte für die Schüler der Lateinschulen ein Morgen- und Abendgebet mit Schriftlesung sowie ein Mittags- und Nachtgebet. In den ev. Kirchen konnte sich dies in der Folgezeit jedoch nicht allg. durchsetzen. Aufgegriffen wurde die Sitte des Stundengebets wieder von einzelnen Gruppen innerhalb der neueren liturgischen Bewegung (z.B. Berneuchener Bewegung).

In der kath. Kirche hatte das Konzil von Trient (1568 durch Papst Pius V.) eine Vereinheitlichung angestrebt. Mehrfache Reformen folgten; am stärksten griff das 2. Vatikan. Konzil in die Gestalt des Stundengebets ein, indem es seine Struktur vereinfachte, Landessprachen zuließ und die Gebetsverpflichtung erleichterte. Nach der Brevierreform (1971) hat das neue Stundengebet folgenden Aufbau: Laudes (Morgenlob), die mittleren oder kleinen Horen (Terz, Sext, Non [3., 6. und 9. Stunde]), Vesper (Abendlob), Komplet (Nachtgebet). Das Matutin wurde zur an keine Stunde gebundenen Lesehore umgestaltet, das Gebet zur 1. Stunde (Prim), dem Arbeitsbeginn, ist entfallen.

Grundlage des Stundengebets in der orth. Kirche ist das Horologion. Das an die einzelnen Horen -Hesperinos (Vesper), Apodeipnon (Komplet), Mesonyktion (Mitternacht), Orthros (Morgen), Prote (1. Stunde), Trite (3. Stunde), Hekte (6. Stunde), Ennete (9. Stunde)- gebundene Gebet findet sich v.a. in der monast. Tradition. Am Vorabend von großen Festen werden Vesper- und Morgengottesdienst häufig zu einem »ganznächtlicher« Vigilgottesdienst (Agrypnia) verbunden. (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2002

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V

Vater Unser

In den evangelischen Kirchen auch Unser Vater, lat. Paternoster, christlichen Kirchen: das auf das Neue Testament zurückgehende grundlegende Gebet aller christlichen Konfessionen, benannt nach seinen Anfangsworten. Als auf Jesus zurückzuführendes Gebet (»Gebet des Herrn«, »Herrengebet«) ist es in drei Versionen überliefert (Mt. 6, 9-13; Lk. 11, 2-4; Didache, Kap. 8). Während die längere, aus sieben Bitten bestehende Mt.-Version im Wortlaut der ursprünglich aramäischen Fassung des Gebetes wohl am nächsten kommt, dürfte die kürzere Lk.-Fassung (fünf Bitten) in Umfang und Stil der Urform näher stehen. Der erste Teil (Bitte 1-2 bei Lk., 1-3 bei Mt.) richtet sich an Gott als den Herrn der Gesch., der zweite spricht die elementaren Dimensionen der menschliche Existenz an. Die Verwurzelung des Vaterunsers in der jüdischen Tradition zeigt sich im Vergleich mit ähnlichen jüdischen Gebeten, z.B. dem Schemone Esre. Liturgisch wurde das Vaterunser zunächst in den Taufritus, seit dem 5. Jh. auch in den Gemeindegottesdienst übernommen. Bereits in altkirchlicher Zeit wurde es mit einer doxologischen Schlussformel verbunden.

Siehe auch: Vater Unser (Gebete)
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Vesper
[f-; von lat. vespera »Abend(zeit)«] die, -/-n,

1. christliche Liturgien: Abendgottesdienst, einer der ältesten Bestandteile des kirchliche Stundengebetes; setzt sich aus Hymnus, Psalmen, biblische Kurzlesung, Responsorium, Fürbitten und anderen Gebeten zusammen. In der frühen Kirche als Gemeindegottesdienst eingeführt, hielt sich die Vesper v.a. im Stundengebet der Mönche und des Klerus (bes. in der kath. und orth. Kirche), aber auch im »Evening Prayer« der anglikanischen Kirchen. In der lutherischen Kirche hat die Vesper bes. seit dem 19.Jh. wieder Verbreitung gefunden. I.w.S. auch allg. eine nachmittägliche Andacht.


Schon im ausgehenden MA. wurden einzelne Teile der Vesper mehrstimmig (in organalem Stil) vertont, später auch von G. Dufay, J. Mouton, A. Willaert und G.P. da Palestrina. Berühmt sind heute C. Monteverdis Marienvesper von 1610 sowie W. A. Mozarts Vesper KV 321 (1779) und KV 339 (1780).
 
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2. (lat.), in der kath. Kirche die auf abends 6 Uhr fallende hora canonica (s. Horen). Vesperbilder, die Darstellungen der der Sterbestunde Christi folgenden Begebenheiten: Kreuzabnahme, Beweinung (Pietà) und Grablegung Christi.
Brockhaus von 1906

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W

Weihrauch

Olibanum, aus mehreren Weihrauchstraucharten (vor allem aus Boswellia carteri) gewonnenes, an der Luft getrocknetes Gummiharz; bildet gelbl., rötl. oder bräunl., außen meist weiß bestäubte Körner, die bei normaler Temperatur fast geruchlos sind, beim Erhitzen auf glühenden Kohlen jedoch einen aromatischen Duft entwickeln. Handelsüblicher Weihrauch für kult. Zwecke ist meist eine Mischung versch. Harze (Olibanum, Myrrhe, Benzoe, Storax und Tolubalsam) und getrockneter Drogen (Zimtrinde, Lavendelblüten u.a.). Diese Mischung entwickelt beim Verbrennen einen sehr charakteristischen, balsamisch-narkotischen Duft. - Aus Weihrauch gewonnene ätherische Öle (Olibanumöl) und Extrakte sind in der Parfümerie von Bedeutung.

 

Im 4. und 5.Jahrtausend. v.Chr. wurde Weihrauch zu Ehren orientalischer Götter geopfert. Die Ägypter verwendeten ihn auch als Heilmittel und zum Einbalsamieren. Weihrauch bildete den Reichtum der Sabäer und Minäer in Süd - Arabien (Weihrauchstraße). Im N.T. gehört Weihrauch zu den kostbarsten Gaben der Weisen aus dem Morgenland (Mt. 2, 11). In den christlichen Kirchen wurde ab Ende des 4. Jahrhunderts Weihrauch als Ehrenerweis vor Bischöfen in Prozessionen, aber auch zur Luftverbesserung in Basiliken und Kirchen verwendet. Vom 5. Jahrhundert an wurde der Gebrauch in der Vesper üblich. In der katholischen Kirche wird Weihrauch v.a. bei der Aussetzung des Allerheiligsten verwendet.   
(c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2002

Ein deutschsprachiges Informationsangebot "Rund um den Weihrauch"
von Michael Pfeifer  (Webmaster: sehr empfehlenswert)

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